ADORE-SANE - Die wissenschaftliche Seite der Hai-Mensch-Interaktion

ADORE-SANE

Hai-Mensch-Interaktion

Die wissenschaftliche Seite der Hai-Mensch-Interaktion

Hai-Verhalten / Kommunikation mit Haien

Dr. Erich Ritter hat sich auf die Erforschung von Hai-Verhalten spezialisiert. Hai-Unfälle geschehen in gefährlichen Situationen, die bewusst, unbewusst oder durch den Einfluss Dritter entstanden sind. Mögliche Hai-Begegnungs-Situationen vollständig und zuverlässig zu erfassen, ist elementarer Bestandteil eines jeden Workshops. Daher hat Dr. Ritter das weltweit erste und bislang einzige Hai-Mensch-Interaktions-Konzept entwickelt. Es heißt ADORE-SANE und verhilft selbst Hai-Unerfahrenen Personen, sämtliche Faktoren der Begegnungs-Situation aufzunehmen und zu qualifizieren. Zudem lernt er einzuschätzen, welche Faktoren den Hai besonders stark beeinflussen und entsprechend das eigene Verhalten anzupassen.

Dank Dr. Ritters Arbeit wurden zahllose veraltete Theorien bezüglich des Verhaltens von Haien als unwahr und überholt entlarvt. Dementsprechend hat sich auch herausgestellt, dass viele Erfindungen und Mechanismen zur Hai-Abwehr sowie gebräuchliche Sicherheitsempfehlungen im Falle von Hai-Begegnungen unnütz und teilweise sogar kontraproduktiv sind. Die aus unseren Forschungen abgeleiteten 5 Basisregeln für den Fall, dass Dir ein Hai zu nahe kommt, sind FACE – GUIDE – PUSH – MOVE (– GILLS).

Was ist ADORE-SANE?

Tiere kommunizieren auf ihre spezielle Weise, wenn sie mit dem Menschen interagieren. So versteht meistens jeder Besitzer eines Haustieres, was sein Liebling mit Signalen ausdrücken möchte. Solche Signale können beispielsweise das Schnurren und «um die Beine streichen» bei Katzen oder das aufgeregte Schwanzwedeln beim Hund sein.

Mit Haien ist es nicht anders. Auch Haie senden Signale, wenn sie mit Menschen in Kontakt kommen, doch leider konnten wir sie bis anhin nur in extrem seltenen Fällen richtig interpretieren. Entsprechend ist es nicht weiter verwunderlich, dass uns bis vor noch nicht allzu langer Zeit bei einer Haibegegnung nichts anderes übrig blieb, als passiv zu warten, bis der Hai das Interesse an uns verloren hatte.

Vor einigen Jahren begannen wir in Walker's Cay, Bahamas, die Körpersprache der Haie zu analysieren. Wir versuchten herauszufinden, welche Bewegungen des Menschen eine Reaktion bei Haien auslösen und wie diese Reaktionen zu interpretieren sind. Ziel dieser Untersuchungen war die Erarbeitung einer Methode, die es Schwimmern, Schnorchlern oder auch Tauchern ermöglichen sollte, mit Haien zu interagieren. Sei es um sich ihnen gefahrlos nähern zu können, sie fernzuhalten oder einfach um ihre Körpersprache besser verstehen zu können.

Nachdem wir dieses Interaktionskonzept in einer ersten Phase entwickelt hatten, ging es darum, dieses unter verschiedenen Umständen und mit verschiedenen Haiarten zu testen. Entsprechend reisten wir an die entferntesten Orte, um möglichst alle notwendigen Grenzen dieses Konzepts abstecken zu können. Wir testeten es an allen potentiell gefährlichen Arten; auch am Weißen Hai, und zwar ohne Käfig oder sonstige Schutzmaßnahmen. Unser Interaktionskonzept bekam den Namen «ADORE-SANE», wobei jeder einzelne Buchstabe für einen ganz bestimmten Begriff innerhalb des Konzepts steht. «A» steht für «Attitude», was im Deutschen als Haltung oder Gehabe des Hais zu verstehen ist. Dabei wird zum Beispiel darauf geachtet, wie der Schwanzschlag in Bezug zur Geschwindigkeit oder die Steifheit des Schwanzes bei einer Bewegung zu bewerten sind oder auch wie der Winkel der Brustflossen zum Körper steht. Alle diese Beobachtungen haben eine ganz bestimmte Bedeutung in der Körpersprache eines Hais. Entsprechend ist es auch mit dem Buchstaben «D». Dieser steht für «Direction» oder Richtung. Es ist von großer Bedeutung, in welchem Winkel ein Hai auf ein größeres Objekt wie einen Menschen zu schwimmt. Das steht natürlich seinerseits wiederum mit der Haltung (Attitude) im Zusammenhang. Und so geht es weiter mit all den anderen Buchstaben in diesem Konzept.

Jeder Buchstabe umfasst ein komplexes Gefüge von Begriffen und hilft schlussendlich mit, die Situation in der man sich mit einem Hai befindet, schnell zu analysieren und richtig zu reagieren. Dabei kann das Konzept von zwei Seiten betrachtet werden, entweder von ADORE, oder von SANE. Der erste Begriff bezieht sich auf den Hai, der zweite auf die beobachtende Person.

ADORE-SANE

Bereits die ersten Versuche zeigten uns deutlich, dass wir Menschen die eigentlichen Auslöser und Gestalter einer Situation sind, auch wenn wir dies nicht absichtlich tun. Es ist deshalb wichtig zu erkennen, wie man sich bei einem Zusammentreffen mit einem Hai verhält und sich fühlt. «S» steht für «Scenario» und umfasst die Situation, in der man sich befindet. Das kann von «verlorener Flosse» oder Probleme mit der Maske bis hin zu einer Schnittwunde gehen. Unterschiedliche Situationen wirken sich unterschiedlich auf unsere Psyche und unsere Bewegungen aus. Dies wiederum löst unterschiedliche Reaktionen bei einem Hai aus.

Oft ist die Situation so, dass keine Zeit bleibt, um alle 9 Punkte des Konzepts durchzuspielen. Dementsprechend entwickelten wir ein Kurzverfahren, das nur gerade die wichtigsten Punkte herausgreift, um einer Situation angepasst reagieren zu können. Dieser Teil des Konzepts wurde «QAI» genannt - Quick Assessment of Intention -, was so viel wie «Schnellanalyse der Absicht» bedeutet. In diesem Teil geht es lediglich um den Hai. Man befasst sich dabei mit seiner Körperhaltung, seinem räumlichen Bezug zur Person und seiner Schwimmrichtung. Das QAI gibt einer Person ein schnelles und relativ zuverlässiges Bild der Situation, in der sie sich befindet.

Reagieren alle Arten in allen Regionen gleich?

Nein. Wie auch für unsere eigenen Sprachen und Dialekte kann die Körpersprache von Haien je nach Region Änderungen erfahren. Eine bestimmte Art hat zwar überall in vergleichbaren Situationen dieselben Verhaltensgrundmuster. Doch Schwellenwerte, die bestimmte Verhaltensmuster auslösen, können je nach Region höher oder tiefer sein. ADORE-SANE ist ein dynamisches Konzept, das erweitert, aber auch verändert werden kann und sollte nicht als starres Interpretationswerkzeug gesehen werden. Nicht zuletzt weil sich die Körpersprache von Arten regional ändern kann und von Art zu Art unterschiedlich ist.

Warum ist eine Anwendung wichtig?

Haie haben in den meisten Medien noch immer einen eher schlechten Ruf, sei es durch die vielen blutrünstigen Filme, die seit Jahren in den Kinos und im Fernsehen gezeigt werden oder weil diesen Tieren einfach zu viele Unwahrheiten angedichtet wurden. Auch berichten die Medien über fast jeden Haiunfall, unabhängig davon, ob der Hai am Unfall schuld war oder der Mensch dafür verantwortlich gemacht werden muss. In den meisten Fällen ist das Verhalten des Menschen der Hauptgrund für einen Unfall. Teil von ADORE-SANE ist es deshalb auch, solche Situationen zu testen, die früher als vermeintlich gefährlich angesehen wurden und zu Bissen führten. Richtiges Reagieren könnte in den meisten Fällen einen Unfall verhindern. Doch hat ADORE-SANE noch einen weiteren Sinn. Wir wollen Menschen, die vor Haien Angst haben, eine Methode bereitstellen, die es ihnen ermöglicht, sich Haien zu nähern und Ängste abzubauen. 

Was ist die Zukunft?

Die Zukunft dieses Konzepts liegt in der Verbreitung. Es sollte von Menschen erlernt werden, die täglich oder gelegentlich im und am Wasser sind und sich möglicherweise mit einem Hai konfrontiert sehen. Des Weiteren soll dieses Konzept auch verfeinert und auf möglichst viele Arten erweitert werden. Keine zwei Arten reagieren in derselben Situation genau gleich. Es gibt sogar Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen, Jungtieren und Adulten derselben Art. Wir versuchen, möglichst viele dieser kleinen Unterschiede bei Arten, die oft mit Menschen in Kontakt kommen, zu analysieren. Durch Verbreitung der entsprechenden Informationen helfen wir mit, dass das schlechte Image der Haie nicht durch unnötige Unfälle weiterhin verschlechtert wird.

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